EU soll Zugang zu Krankenpflegeberufen nicht erschweren

Ausbildung soll auch weiterhin für Realschüler möglich sein

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Foto: W. Reichenbächer


Berlin (hib/HLE). Die von der EU-Kommission in einer Richtlinienänderung vorgeschlagene größere berufliche Mobilität soll „nicht zu Lasten bestehender und bewährter beruflicher Qualifikationsniveaus“ gehen. Außerdem fordern die Koalitionsfraktion von CDU/CSU und FDP in einem gemeinsamen Antrag, dass Schulabgänger mit einem mittleren Bildungsabschluss auch weiterhin eine Ausbildung in einem Gesundheits- und Krankenpflegeberuf absolvieren dürfen. Die Voraussetzung einer zehnjährigen Schulzeit dürfe nicht auf zwölf Jahre angehoben werden. Die Bundesregierung wird aufgefordert, in Brüssel darauf zu achten, „dass dem in Deutschland seit Jahrzehnten bewährten, qualitativ hochwertigen und hervorragend funktionierenden dualen Ausbildungssystem ebenso wie dem in Deutschland bestehenden hohen Qualifikationsniveaubei der Überarbeitung angemessen Rechnung getragen werden“. Der Antrag steht an diesem Donnerstag auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages.

Das duale Ausbildungssystem dürfe durch den Richtlinienvorschlag nicht gefährdet werden, erklären die Koalitionsfraktionen und verweisen darauf, dass dieses Berufsbildungssystem einen im internationalen Vergleich sehr hohen Bildungsstand der Gesamtbevölkerung gewährleiste: 84 Prozent der Erwachsenen in Deutschland hätten mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe II. In internationalen Studien würden dagegen oft nur die Akademiker-Quoten herangezogen. Dort liege die deutsche Abschlussquote mit 29 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 39 Prozent. Dabei seien viele berufliche Bildungsgänge akademischen Ausbildungen gleichwertig.

Das vor allem wegen seiner Praxisnähe hochwertige Berufsausbildungssystem führe dazu, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland mit 7,9 Prozent erheblich niedriger sei als in Frankreich (22 Prozent) oder Spanien (51,5 Prozent), stellen die Fraktionen fest. Sie warnen davor, die Zugangsvoraussetzungen zur Krankenpflege- und Hebammenausbildung anzuheben, indem eine zwölfjährige allgemeine Schulausbildung als Grundlage eingeführt wird. Es müsse bei diesen Berufen als Zugangsvoraussetzung bei einer zehnjährigen Schulausbildung bleiben. Wörtlich heißt es: „In Deutschland müssen auch zukünftig die – auf der Grundlage des mittleren Bildungsabschlusses zugelassenen – dreijährig an den Pflegeschulen ausgebildeten Pflegefachkräfte die stärkste Säule im Berufsfeld der Pflege bilden.“ Diese Pflegekräfte müssten auch künftig in den automatischen Genuss der Anerkennung ihres Berufsabschlusses in der EU kommen.

Letzte Änderung am Freitag, 05 Oktober 2012 18:05

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