Montag, 21 Dezember 2015 18:54

Land und Kreis wehren sich gegen Überrumpelungstaktik aus Niedersachsen

Verkehrsminister Reinhard Meyer (m.) hatte zu einer politischen Diskussion mit Kreis- Landtags- und Bundestagsabgeordneten nach Büchen eingeladen. Verkehrsminister Reinhard Meyer (m.) hatte zu einer politischen Diskussion mit Kreis- Landtags- und Bundestagsabgeordneten nach Büchen eingeladen. Foto: W. Reichenbächer

Meyer bei politischer Diskussionsrunde zur „Alpha-Schienentrasse“ in Büchen: „Keine Planung zu Lasten der Region“ – DB spricht von 54 Güterzügen täglich

 

Büchen (LOZ/wre). Die im November getroffene Entscheidung des niedersächsischen Dialogforums „Schiene Nord“, auf den Bau der so genannten Y-Trasse zur künftigen Bewältigung der Seegüterverkehre aus Hamburg und Bremen zu verzichten, hat im Kreis-Herzogtum-Lauenburg und insbesondere im Raum Büchen große Besorgnis ausgelöst. So besteht unter anderem die Befürchtung, dass die vom Dialogforum favorisierte Alpha-E-Variante – die vor allem auf die Ertüchtigung bestehender Strecken in Niedersachsen setzt – zu einer Belastung von täglich über 100 Güterzügen auf der Strecke Hamburg-Büchen-Ludwigslust führen werde.

Bei einer von Verkehrsminister Reinhard Meyer heute in Büchen einberufenen politischen Runde mit Kommunalpolitikern, Bundes- und Landtagsabgeordneten trat der Leiter „Vertrieb und Fahrplan“ der DB Netz AG, Michael Körber, den Befürchtungen im Kreis entgegen. Nach dem auf das Jahr 2030 ausgerichteten Verkehrsgutachten des Bundes, so Körber, habe die Strecke zwar ein Potenzial von täglich 149 Güterzügen, dennoch sei mit nur 54 Güterzügen täglich zu rechnen. „Das entspricht in der Summe den Verkehrszahlen, die wir schon heute auf der Strecke haben“, sagte Körber. Er machte allerdings auch klar, dass die DB Netz mögliche Trassenanmeldungen, die über die 54 Züge hinausgehen, nicht ablehnen könne.

Sowohl die Kommunalpolitiker als auch die Landtagsabgeordneten und die Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer zeigten sich hinsichtlich der milden Prognosen skeptisch. Auch nach den Worten von Minister Meyer sei die Skepsis begründet: „Land und Region sollten wachsam bleiben – auch was bei steigenden Verkehrsmengen mögliche bauliche Änderungen auf der Strecke und damit verbundene Anmeldungen von Lärmschutzmaßnahmen anbelangt“, sagte Meyer. Er erinnerte daran, dass auf der bestehenden Strecke bislang klarer Vorrang für den Personenverkehr, aber kein rechtlicher Anspruch auf Lärmschutz bestehe. Zugleich kritisierte der Minister erneut, dass Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am Dialogforum Schiene Nord nicht beteiligt waren: „Das macht misstrauisch – und es kann nicht sein, dass hier am Ende möglicherweise ein Geschäft zu Lasten Dritter abgeschlossen wird.“ Ein Kritikpunkt, der auch bei den anwesenden Politikern und Kommunalvertretern im Mittelpunkt stand. Es wurden von Niedersachsen Entscheidungen getroffen, die voraussichtlich auch so vom Bund übernommen werden, ohne die Betroffenen Länder wie Schleswig-Holstein oder auch Mecklenburg-Vorpommern anzuhören. „Wir sind genauso von der Entscheidung überrascht worden wie die Regionen. Es gibt daher schon mehr als eine Verstimmung mit dem Land Niedersachsen“, ergänzte Meyer.

Körber erklärte, dass derzeit kein Ausbau des Knotenpunktes Büchen geplant sei, auch keine Lärmschutzmaßnahmen. Falls die Güterzüge über die von einem Gutachten prognostizierte Zahl von 54 komme, wäre aber ein Ausbau nötig. Ab welcher Anzahl von Güterzügen dies der Fall sei, ließ Körber aber offen. Minister Meyer mahnte an, dass diese Zahl im Vorwege festzulegen sei. Büchens Amtsvorsteher Martin Voß fragte nach, ob es noch Änderungsmöglichkeiten bei der Streckenführung gäbe. Da die Strecke noch nicht im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist, gäbe es wohl noch Spielraum, dieser scheint aber mehr in der Theorie zu bestehen.

Nach den Worten von Meyer werden Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern das Thema gemeinsam mit dem Bund im Zusammenhang mit dem nächsten Bundesverkehrswegeplan erörtern. In einem weiteren Schritt müsse dann in einer transparenten Simulation deutlich gemacht werden, welche konkreten Verteilungsfunktionen die Alpha-E-Variante im norddeutschen Schienennetz auslösen werde. „Für eine Entwarnung an die Region ist es zu früh“, sagte Meyer.

Letzte Änderung am Donnerstag, 31 März 2016 11:00

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