Mittwoch, 27 Januar 2016 16:50

Kreis rechnet mit rund 2.400 Flüchtlingen in diesem Jahr

Karsten Fries und Dr. Christoph Mager vor dem neuem Gebäude in Gudow. Karsten Fries und Dr. Christoph Mager vor dem neuem Gebäude in Gudow. Foto: W. Reichenbächer

(LOZ/wre). „Der Kreis Herzogtum Lauenburg geht von rund 2.400 Flüchtlingen im Jahr 2016 aus, die dem Kreis zugewiesen werden.“ Dieses sagte heute Landrat Dr. Christoph Mager in einem Pressegespräch in der Sammelunterkunft in Gudow. Bestätigt fühlt sich der Landrat durch Aussagen von Vertretern der Landesregierung, wonach in diesem Jahr rund 35.000 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein erwartet werden sowie durch die vom Bundesinnenministerium veröffentlichen Zahlen von Neuankömmlingen. Ursprünglich wurde mit 50.000 Flüchtlingen in Schleswig-Holstein gerechnet. „Aktuell werden derzeit täglich etwa 2.000 Neuankömmlinge registriert. Bei einem Aufnahmeschlüssel von 6,7Prozent der Schleswig-Holstein zugewiesenen Flüchtlingen wären das für den Kreis Herzogtum Lauenburg 2.345 Flüchtlinge, die wir aufnehmen müssen“, so Mager.

Dr. Mager erinnerte daran, dass dem Kreis allein in den letzten vier Monaten des vergangenen Jahres rund 1.200 Flüchtlinge zugewiesen wurden. „Derzeit hat sich die Situation entspannt, wöchentlich kommen zurzeit lediglich 26 bis 57 Flüchtlinge neu in den Kreis. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Geesthacht deshalb bereits die als Notunterkunft vorgesehene Sporthalle an der Berliner Straße wieder für den Sportbetrieb freigegeben.“ Auch die Sammelunterkunft des Landes in Lanken wird wohl nach derzeitigem Stand nicht mehr umgesetzt.

Nach Auffassung des Landrats müsse es nunmehr darum gehen, verstärkt und schnell dauerhaften Wohnraum zu schaffen, diesen allerdings für alle Schichten der Bevölkerung. „Dann hätten wir auch wieder Platz in den örtlichen Erstaufnahmeeinrichtungen, um für einen möglichen neuen Ansturm gerüstet zu sein.“

Aktuell leben im Kreis Herzogtum Lauenburg 2.220 Asylbewerber, davon 62 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Elf von ihnen konnten in Pflegefamilien untergebracht werden. Dazu kommen 292 Flüchtlinge mit einer Duldung oder dergleichen.

Wichtig ist für Dr. Mager auch die zügige Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Nach der geltenden Rechtslage dürfen Flüchtlinge frühestens nach drei Monaten eine Beschäftigung aufnehmen. Ulrich Elsweier vom Jobcenter Herzogtum Lauenburg ergänzte, das aktuell 521 Asylberechtigte und Flüchtlinge im Jobcenter registriert sind. „Im Jahr 2016 werden rund 1.000 weitere Flüchtlinge in die Zuständigkeit des Jobcenters wechseln.“

Für Elsweier ist die zügige Integration in die deutsche Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt aber nur erfolgversprechend, wenn bereits frühzeitig die Sprachkurse des Landes und des Bundesamtes für Migration sowie ergänzende Angebote der Agentur für Arbeit (BA) genutzt werden. „So hat die BA im letzten Jahr einmalig für Asylbewerber aus den Staaten mit hoher Bleibeperspektive wie Syrien, Iran, Irak oder Eritrea Sprachkurse angeboten. Im Kreis nehmen ca. 400 Flüchtinge das Angebot wahr.“

Wie Elsweier weiter mitteilte, verfügen rund 90 Prozent der Flüchtlinge über ein Smartphone. „Die Bundesagentur für Arbeit hat daher in Kooperation mit weiteren Partnern zur ersten Orientierung für Flüchtlinge eine App entwickelt, die Informationen, Werte und Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermittelt. Sie ist unter www.ankommenapp.de abrufbar und kann dann auch offline genutzt werden und wird in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französich, Farsi und Arabisch angeboten. Neben dem Spracherwerb ist die frühzeitige Vermittlung in Ausbildung, Praktika oder Arbeit die wichtigste Säule bei der Integration der Flüchtlinge. Ich freue mich über die hohe Bereitschaft der Unternehmen im Kreis Flüchtlingen, auch bei unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen beim Arbeitsmarktzugang, eine Perspektive in ihren Unternehmen anzubieten.“ Er appellierte an die Unternehmen, auch weiter Stellenangebote an den gemeisamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe und dem Jobcenter Herzogtum Lauenburg unter Telefon: 0800 / 45555 20 (kostenfrei) aufzugeben. Kamen bei der ersten Flüchtlingswelle 2014 vor allem eher hochqualifizierte Flüchtlinge nach Deutschland, sei die Aufgabe der Vermittlung der Flüchtlinge die im vergangenen Jahr kamen schwieriger, wie Elsweier berichtete. Der hohe Bildungsstand sei nicht mehr gegeben.

Abschließend stellte Dr. Mager das neugebaute Mehrzweckgebäude an der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Gudow vor. Ergänzend zu den bisherigen Wohnbereichen hat der Kreis für 250.000 Euro auf rund 125 Quadratmetern einen Gemeinschaftsraum mit Teeküche, einen Mehrzweckraum für Beratung und Fortbildung sowie einen Ruheraum für die Religionsausübung geschaffen. Dieser kann Notfalls auch als Krankenzimmer genutzt werden. Dazu wurden zusätzliche Sanitärräume geschaffen. Im Rahmen der Baumaßnahme wurde auch die gesamte Heizungsanlage der Gemeinschaftsunterkunft für 25.000 Euro erneuert. In der Gemeinschaftsunterkunft können bis zu 45 Flüchtlinge untergebracht werden. „Derzeit haben wir aber eine eher nidrige Belegung“, erklärt Fachdienstleiter Karsten Fries. Um die Kosten für die Gemeinden gering zu halten, werden dort erst die Wohnungen genutzt, damit es eine Erstattung durch das Land gibt. Damit ist derzeit auch eine geplante Erweiterung in Gudow vom Tisch, wo Wohncontainer für weitere 30 Flüchtlinge aufgestellt werden sollten.

Letzte Änderung am Donnerstag, 31 März 2016 10:47

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