Dienstag, 09 Februar 2016 11:28

Bröthen rüstet sich gegen Einbrecher

Alexander Kruska und Christian Meister zeigten, dass man nicht Profi sein muss, um ein einfaches Fenster aufzuhebeln. Alexander Kruska und Christian Meister zeigten, dass man nicht Profi sein muss, um ein einfaches Fenster aufzuhebeln. Foto: W. Reichenbächer

Bröthen (wre). Auch wenn die Einbruchserie vorerst gestoppt sein könnte, wollen sie Bröthens Bürger mehr gegen Einbrecher wehren. Dazu hatten Christina Knust und Dennis Ressel eine Veranstaltung im Gemeindehaus organisiert, wo sich zahlreiche Anwohner, unter ihnen auch betroffene Hausbesitzer, informierten, wie sich schützen können. Auch Büchens Polizeichef Kai Bretsch gab Tipps, und informierte über die aktuelle Lage.

„Im Regelfall reicht unser Personal nur für eine Streifenbesatzung“, eröffnete Bretsch seinen Vortrag. Informationen, die den Bürgern nicht unbedingt Mut machten. Das von Sonntag bis Donnerstag die Wache in Büchen dann nachts gar nicht besetzt ist, verdeutlichte, dass die Bürger selber für ihre Sicherheit sorgen müssen. Im Notfall muss dann die Polizei von anderen Revieren anrücken, was dann etwas länger dauern kann.

Bretsch brachte ein paar aktuelle Zahlen mit. In 2014 wurde Bröthen acht Mal als Tatort registriert. Darin enthalten sind ein Einbruchsversuch, und ein vollendeter Einbruch. In 2015 gab es dann drei Einbrüche, und in 2016 waren es bereits zwei Einbrüche, die innerhalb einer halben Stunde verübt wurden. Im Herzogtum Lauenburg wurden von Januar bis November 2015 461 Einbrüche verübt, im Amt Büchen zehn. In der Hauptsache soll ein Albaner für die Taten im Amt verantwortlich sein, der inzwischen geschnappt wurde. Kai Bretsch beruhigte, dass vorerst Ruhe sein könnte. „Die Banden aus Osteuropa werden eigentlich nur einmal im Jahr losgeschickt“, so Bretsch. Im nächsten Jahr könnte es also wieder vermehrt zu Einbrüchen kommen.

Der Polizeichef riet, das Haus oder die Wohnung gut zu sichern, auch tagsüber, da 90 Prozent der Einbrüche zu dieser Tageszeit verübt werden. „Alles was Sie an Schutz einbauen, treibt die Täter zu Ihren Nachbarn“, riet Bretsch. Er gab zu, dass dies vielleicht nicht unbedingt nett sei, aber man so sein eigenes Haus schützen könne.
Während es kaum noch Einbrüche durch Haustüren gäbe, müssen vor allem Fenster und Terrassentüren gesichert werden. Zur Demonstration hatte die Tischlerei Kruska zwei Fenster mitgebracht, wo sich Feuerwehrmann Christian Meister einmal als Einbrecher versuchen durfte. Ein Fenster der einfachen Bauart war nach wenigen Minuten geöffnet. Profis benötigen dort nur wenige Sekunden. Bei der höheren Schutzklasse gab es dann kein reinkommen. Die Fenster lassen sich nicht mehr einfach aufhebeln. Auch die Bearbeitung mit einem Vorschlaghammer nütze nichts. Das Glas war zwar beschädigt, aber ein Loch zum Durchgreifen ließ sich nicht schlagen. Viele Fenster lassen sich noch nachrüsten, erklärte Alexander Kruska. Nicht immer sei es aber möglich, noch passende Beschläge zu besorgen. Auch bringe das einbruchshemmende Glas nur etwas, wenn auch Sicherheitsbeschläge montiert sind, rät die Polizei. Auch sind abschließbare Fenstergriffe nur bei Fenstern wirksam, die gegen Aufhebeln gesichert sind.

Ein guter Einbruchsschutz sind neben technischen Einrichtungen wachsame Nachbarn und Hunde, riet Bretsch. Auf Nachfrage, ob es Probleme geben könnte, wenn ein Hund einen Einbrecher verletzt, erklärte Bretsch, dass es Strafrechtlich eher unproblematisch sei, aber zivilrechtliche Folgen haben könnte. Der Einbrecher könnte also den Haus- und Hundebesitzer verklagen. Dies ist auch bei Pfefferspray ein Problem. Denn eigentlich ist es nur zur Tierabwehr zugelassen. Bei Notwehr kann es allerdings auch gegen Menschen eingesetzt werden. Wenn die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt, dürfen Täter auch bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Dies notfalls auch unter Anwendung von Gewalt, wenn sich der Täter wehrt.

Derzeit gibt es wieder vermehrt Anrufe von unbekannten Nummern, wo dann oft keine Person am Telefon ist. Bretsch konnte beruhigen, dass es kaum noch üblich ist, über Telefon vor einem Einbruch zu testen, ob jemand zu Hause ist. Meist würde es sich um automatisierte Anrufe handeln, um Werbeanrufe über ein Callcenter vorzubereiten.

Bretsch riet den Zuhörern, Wertsachen wie Schuck, die selten benötigt oder getragen wird, lieber bei der Bank zu deponieren. Verstecke im Haus werden meist gefunden. Und wenn es dann doch einmal zu einem Einbruch gekommen ist, machte Bretsch darauf aufmerksam, dass man sich an den Weissen Ring wenden kann, wenn man etwa durch den Eingriff in die Privatsphäre mit psychischen Problemen zu kämpfen hat.

Zum Schluss der Veranstaltung erklärte dann der Finanzierungsfachmann Marian Rogosch, welche Fördermöglichkeiten es für Hausbesitzer gibt, um Zuschüsse oder günstige Kredite für die Sicherung des Hauses zu bekommen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 31 März 2016 10:43

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