Dienstag, 31 Mai 2016 19:46

IHK-Betriebsbesuche: „Hier treffen Weltmarkt und Regionalität wirklich aufeinander“

Betriebsinhaber Kim Szöts (m.) zeigt Joseph Scharfenberger, Lars Schönung und Thomas Buhck (vl.) die Produktion bei Gludan. Unterstützt wird er dabei von Markus Huger (r.). Betriebsinhaber Kim Szöts (m.) zeigt Joseph Scharfenberger, Lars Schönung und Thomas Buhck (vl.) die Produktion bei Gludan. Unterstützt wird er dabei von Markus Huger (r.). Foto: W. Reichenbächer

Büchen/Lauenburg/Mölln (LOZ). „Es ist an der Zeit, mit gängigen Unternehmensklischees aufzuräumen.“ Dieses Fazit zog Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, nach einem Besuch bei drei Unternehmen im Kreis Herzogtum Lauenburg. Beim Hersteller von Spezialklebstoffen Gludan (Deutschland) GmbH steht Nachhaltigkeit vor Profit, beim Pfeifen- und Tabakhändler Dan Pipe Dr. Behrens KG gehen Tradition und Kreativität Hand in Hand und in der Möllner Betriebsstätte der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH werden junge Menschen zu Fachkräften ausgebildet.

Vom Hidden Champion über den persönlich geführten Traditionsbetrieb bis hin zum Global Player – Lars Schöning suchte das persönliche Gespräch mit den Unternehmen, um sich über die Lage in den unterschiedlichen Branchen zu informieren. Gemeinsam mit Thomas Buhck, IHK-Vicepräses und Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsbeirates Lauenburg, und Joseph Scharfenberger, Kreisbetreuer des Kreises Herzogtum Lauenburg der IHK zu Lübeck, überzeugte sich der Hauptgeschäftsführer von der Vielfalt an Unternehmertum in der Region.

12.000 Tonnen Klebstoff pro Jahr produziert der Hidden Champion Gludan mit 30 Mitarbeitern ¬– von der 150-Gramm-Flasche bis zur Tankwagenladung. „In diesem Jahr haben wir richtig Aufwind erhalten und liefern nun weltweit, zum Beispiel nach China, in die USA oder Argentinien“, erzählt Prokurist Markus Huger. 2012 führte das ursprünglich in Dänemark gegründete Unternehmen seine Betriebsstätten in Büchen am nunmehr einzigen Produktionsstandort zusammen. Gludan entwickelt und stellt die Klebstoffe selbst her. Im Sortiment: 1.600 Klebstoffrezepte – je nach Kundenwunsch mit Flammhemmung, Frost- oder Hitzebeständigkeit. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Druckereien, die Bau- und die Lebensmittelindustrie.

Das Innovative und Nachhaltige: Die Kleber sind wasserbasiert, verzichten also auf Lösungsmittel. „Das ist unsere Nische, grün zu sein“, sagt Geschäftsführer Kim Szöts. Sein neuestes Projekt sind Papiertragetaschen, ein Wachstumsmarkt. „Hier kommen vier bis fünf unterschiedliche Kleber zum Einsatz, denn Böden und Griffe müssen anders behandelt werden“, erläutert der Geschäftsführer. „Gerade bei Klebstoffen denken viele nicht als erstes an Nachhaltigkeit. Umso schöner, ein Unternehmen dieser Branche im Bezirk zu haben, das Innovation und Nachhaltigkeit verbindet und damit so erfolgreich ist“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning.

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Bei Dan Tobacco gab es für die Delegation die Möglichkeit, einmal Tabak vor der Verarbeitung in der Schnittmaschine zu begutachten. Foto: W. Reichenbächer

 

Vom Hidden Champion ging es zum Traditionsbetrieb Dan Pipe Dr. Behrens KG in Lauenburg. Im Ladengeschäft des Pfeifen- und Tabakhändlers riecht es förmlich nach Tradition. „Pfeife rauchen ist Genussrauchen. Johann Sebastian Bach, Albert Einstein, Loriot waren alle bekannte Pfeifenraucher“, erzählt Dan Pipe-Geschäftsführer Dr. Heiko Behrens. In der Einrichtung einer alten Apotheke, die einst am Neuen Wall in Hamburg stand, werden neben zahlreichen von Hand gefertigten Tabakpfeifen auch rund 140 Tabakeigenmarken präsentiert, die von der Schwestergesellschaft Dan Tobacco Manufacturing GmbH im selben Gebäude hergestellt werden. Pro Tag versendet Dan Pipe rund 120 Bestellungen.

„Die neuen Regulierungen der EU machen uns zwar zu schaffen, weil wir Zusatzstoffe wie Vanille nicht mehr auf den Etiketten erwähnen dürfen“, so Dan Pipe-Prokuristin Maria Sousa. Dem begegnet die Familie aber mit kreativer Namensfindung, damit ihre Kunden die Tabaksorten auch weiterhin voneinander unterscheiden können. Denn im Ladengeschäft erhält der Kunde zwar ausgiebige professionelle Beratung, doch inzwischen wird auch im Traditionsbetrieb zu 92 Prozent online vertrieben. „Trotz allem haben wir mit beiden Unternehmen enorm zu tun und noch nie so viel verkauft wie gerade“, sagt Behrens.

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Erfrischend war der Besuch bei Coca-Cola in Mölln. Foto: Andrea Scheffler/IHK zu Lübeck

 

Auf den persönlich geführten Traditionsbetrieb folgte ein Besuch in der Möllner Betriebsstätte der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH. Für ganz Norddeutschland werden dort 15 Millionen Kisten pro Jahr abgefüllt. Auf 25.000 Quadratmetern überdachter Fläche befinden sich zwei Produktionslinien – die zweite mit einer Kapazität von 36.000 Flaschen je Stunde. Seit 1979 sei die Betriebsstätte stetig gewachsen, erzählt Betriebsleiter Johannes Bleker. Inzwischen werden am Standort 200 Mitarbeiter beschäftigt, darunter ein Flüchtling aus Syrien, der derzeit ein Praktikum absolviert und acht Lehrlinge, die in der Lebensmitteltechnik, Lagerlogistik und zum Industriekaufmann ausgebildet werden. „Wir bilden für unseren eigenen Bedarf aus“, sagt er. Jeder Azubi werde vertraglich für ein Jahr übernommen, die besten 30 Prozent würden einen unbefristeten Vertrag erhalten. „Wir merken, dass das sehr motiviert. Einige unserer Azubis haben sich zum Maschinen,- Linien,- oder Schichtführer hochgearbeitet.“ Mit einer Meisterausbildung sei auch die Chance gegeben, zum Produktions- oder Betriebsleiter aufzusteigen. Derzeit wird am Werk eine Fertigungslinie von 0,5- auf Ein-Liter-Mehrwegflaschen umgestellt, um sich der Marktnachfrage anzupassen. Mit der Umstellung werde bald im Fünfschicht- und bis Ende des Jahres möglicherweise im Sechsschichtbetrieb und damit am Kapazitätslimit produziert.

„Es war interessant, diese Vielfalt an Unternehmen im Kreis zu erleben“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. „Hier sind Unternehmen mit modernster Technologie ansässig, die Nischen für sich entdeckt haben oder wie Coca-Cola bereits Weltmarktführer sind. Sie stellen sich zukunftsorientiert auf und wachsen stetig.“ Man merke, dass es der Wirtschaft gut gehe. Regulierungen, die Werbemöglichkeiten und unternehmerische Freiheit einschränken, werde mit Kreativität begegnet, so Schöning.

IHK-Vicepräses Thomas Buhck fügte hinzu: „Einen Hidden Champion wie das ehemals dänische Gludan hier zu haben und zu halten, spricht für die Region. Es ist schön, zu sehen, wie sich ein Global Player wie Coca-Cola für seine Mitarbeiter, Azubis aber auch Flüchtlinge in der Region engagiert. Hier treffen Weltmarkt und Regionalität wirklich aufeinander.“

Letzte Änderung am Dienstag, 31 Mai 2016 20:19

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