Dienstag, 12 Juli 2016 18:00

Günstiger Wohnraum auf dem Land ist Mangelware

Uwe Möller, Olaf Schulze, Andreas Breitner und Wolfgang Engelmann diskutierten über die Wohnsituation im Kreis. Foto: W. Reichenbächer Uwe Möller, Olaf Schulze, Andreas Breitner und Wolfgang Engelmann diskutierten über die Wohnsituation im Kreis. Foto: W. Reichenbächer Foto: W. Reichenbächer

Olaf Schulze: „Es sind nicht nur die Städte in der Pflicht“

 

Büchen (wre). Der Wohnraum ist knapp. Ob nun in den Städten, oder auf dem Land. Aber gerade im ländlichen Bereich fehlt oftmals der geförderte Geschossbau, der es auch Einwohnern mit niedrigem Einkommen ermöglicht eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die SPD im Herzogtum Lauenburg möchte dies ändern, und hatte zu einer Diskussionsrunde eingeladen, an der sich rund 40 Zuhörer beteiligten.

Für das Podium hatte man sich Erfahrene Redner eingeladen, die durch ihre Tätigkeit mit den Problemen vor Ort bestens vertraut sind, und auch mit Wohnungsbaufragen beschäftigt sind. Moderiert wurde die Veranstaltung vom ehemaligen Möllner Bürgermeister Wolfgang Engelmann, der aktuell im Vorstand der gemeinnützigen Kreisbaugesellschaft sitz. Engelmann versuchte während der Diskussion den beiden SPD-Bürgermeistern Uwe Möller aus Büchen und Olaf Schulze aus Geesthacht mögliche Lösungen zu entlocken. Andreas Breitner konnte als ehemaliger Bürgermeister von Rendsburg und schleswig-holsteinischer Innenminister sowohl die politische Sichtweise nachvollziehen, als auch durch seine derzeitige Tätigkeit als Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen die Lage der Vermieter erläutern.

Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer, dass ein Mangel an bezahlbaren Wohnraum herrscht. „Der Wohnraum wäre auch ohne Zuwanderung knapp, aber nun hat sich die Situation natürlich noch verschärft“, so Breitner. Dabei müsse auch unterschieden werden, was bezahlbarer Wohnraum ist, und was als sogenannter Sozialbau gilt. „Früher wurde gesagt, dass etwa ein Wochenlohn noch vernünftig für die Miete sei. Heute gilt circa ein Drittel des Monatslohnes als bezahlbare Miete“, so Breitner. Für geförderte Wohnungen gibt es in Büchen die Obergrenze von 5,20 Euro je Quadratmeter, und in Büchen 5,65 Euro. „Dafür ist bei uns kaum etwas zu bekommen“, so Möller.

Die Gemeinde Büchen hat daher beschlossen, selber sozialen Wohnraum zu bauen. 35 Wohnungen will die Gemeinde errichten. „Dafür ein dickes Lob an Büchen“, so Breitner. Denn dass die Wohnungen nötig sind, ist allen Beteiligten klar, Investoren zu finden in dieser für Wohnungsbaugenossenschaften geringen Größe sei aber schwer. Dies konnte auch Olaf Schulze berichten. Auch in Geesthacht habe man selber das Heft in die Hand genommen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WoGee) baut derzeit selber geförderte Wohnungen für einkommensschwache Mieter. „Auf dem freien Markt ist in diese Richtung schon seit zehn Jahren nichts mehr passiert“, so Schulze. Inzwischen würden aber auch andere Anbieter nachziehen, und ihre Wohnungen modernisieren.

„Sozialem Wohnungsbau sieht man ja nicht immer gleich auf den ersten Blick“, erklärte Breitner. Zumindest viele Neubauten würden eher an Eigentumsanlagen erinnern. „Sie sind auch im Bau teurer“, so Andreas Breitner weiter. „Die Baukosten sind auch seit 2000 um 42 Prozent gestiegen“, sagte Breitner. Wohnungsbaugesellschaften würden für viele Jahre planen, und investieren in die Zukunft, während Häuser mit Eigentumswohnungen auf eine schnelle Rendite ausgelegt seien, und daher meist nicht so hochwertig gebaut würden.

Und da würde auch das Problem liegen, so Breitner. Denn durch die niedrigen Zinsen würde sich der geförderte soziale Wohnungsbau kaum noch lohnen. Der Vorteil der vergünstigten Kredite durch das Land sei kaum noch bemerkbar.

Auf die Frage, ob der Markt die Nachfrage an günstigen Wohnraum regelt, waren sich die Diskussionsteilnehmer schnell einig, dass es ohne Engagement der Kommunen nicht gehen würde. So versprach Gitta Neemann-Güntner, Gespräche mit zum Beispiel der WoGee und der Kreisbaugenossenschaft zu führen, um eine Lösung für weitere bezahlbare Wohnungen zu finden. „Da sind dann auch die kleineren Gemeinden und nicht nur die Städte gefragt“, betonte Olaf Schulze, der erklärte, die WoGee würde auch in den Gemeinden um Geestacht bauen. Als Möglichkeit nannte Breitner das Beispiel Lübeck, wo Grundstücke teilweise mit 90 Prozent Rabatt verkauft werden, wenn dort sozialer Wohnraum entsteht.

Zum Abschluss mahnte Andreas Breitner noch, man solle den „Dämmwahn“ in Deutschland nicht übertreiben. „Mir sagte mal jemand, wir sind ein Land der Dichter und Dämmer“, so Breitner, „wir Dämmen uns Tod“. In Deutschland würde immer gern das technisch machbare als Standard gelten, und nicht das, was sinnvoll sei. Der Aufwand bei Sanierung und Neubau stehe oftmals nicht mehr im Einklang mit den Ergebnissen, den Einsparungen.

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