Mittwoch, 12 Februar 2014 13:11

Ratzeburger Bündnis gegen Rechts zieht positive Bilanz und wagt einen Ausblick auf 2014

 

hfr Ratzeburger Buendnis Bilanz kw 7-14

Vorne v. li.: Ratzeburgs Bürgervorsteher Ottfried Feußner, Bürgermeister Rainer Voß und Pröpstin Frauke Eiben; hinten v. li.: Almuth Grätsch und Anja Franksen (beide vom Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow), Peter Linnenkohl vom Mach mit-Projekt, Sabine Tetzlaff aus Mölln, Peter Perner, Beauftragter von „Kirche gegen Rechts“ im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg sowie Mitglied im Ökumenebeirat und Ursula Redecker aus Labenz zogen Bilanz über die Arbeit des Ratzeburger Bündnissen und informierten über neue Projekte. Foto: hfr/Steffi Niemann

 

Ratzeburg (LOZ). Die Mitglieder des Ratzeburger Bündnisses sind sich einig: Ihre engagierte Arbeit wird fortgesetzt. „Wir werden nicht nachlassen, im Gegenteil. Die rechte Szene ist in der Öffentlichkeit zwar kaum noch wahrnehmbar, doch wir wissen, dass sie existiert und jeder Zeit wieder aktiv werden kann“, sagte Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß auf der Bilanzpressekonferenz zur Arbeit des Bündnisses und dem gleichzeitigem Ausblick für 2014. Das Ratzeburger Bündnis, das im Sommer 2009 gegründet wurde, ist mittlerweile weit über die Grenzen Ratzeburgs – auch über die Landesgrenzen – hinaus aktiv.

Frauke Eiben, Pröpstin im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, betonte: „In den vergangenen fünf Jahren ist ein sehr haltbares Netzwerk entstanden mit verschiedensten Knotenpunkten und Akteuren, die sich beharrlich, engagiert und abrufbereit für Demokratie einsetzen“. Es seien Kooperationen mit öffentlichen Trägern entstanden und Veranstaltungen wurden organisiert. „Zum Beispiel der Filmclub, die Aktion ‚Bunt durch den Kreis – kein Platz für Nazis‘ zur Kommunalwahl, die Elternausstellung ‚Mein Kind ist rechts‘, die Beteiligung an der Aktion ‚Bausteine gegen Rechts‘, das Projekt „Demokratiesuche“ der Volkshochschule Ratzeburg, der ‚Tag des Flüchtlings‘, die Interkulturellen Wochen, die 3. Regionalkonferenz Rechtsextremismus in Lübtheen, die Ausstellung „Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben“ vom Jugendbildungsprojekt „Open Mind“ des Vereins Miteinander Leben e. V. oder die Plakataktion „Unbequeme Denkmäler“ zum Volkstrauertag“, so Eiben. Und weiter: „So viele Projekte, so viele Bausteine, so viel Engagement an so vielen Orten – genau dies ist der Schlüssel einer aktiven Zivilgesellschaft, um jedwede extremistische Aktivitäten dauerhaft in die Schranken zu weisen.“

Die Pröpstin hob diesem Zusammenhang die „Demokratiescouts“ lobend hervor. „Sie erhielten zu Recht den Deutschen Bürgerpreis für Schleswig-Holstein“. Der Hintergrund: Rund 35 Kinder und Jugendliche aus Ratzeburg, Mölln und Lauenburg setzten sich in Vorbereitung auf die Kommunalwahl 2013 intensiv mit den Themen Demokratie und Mitbestimmung aus und brachten sich aktiv mit jugendpolitischen Themen in den Wahlkampf ein. Unterstützung erhielten sie dabei vom Möllner Streetworker Axel Michaels, Peter Linnenkohl vom Bundesprojekt „Mach mit“ des Diakonischen Werkes, den Mitarbeitern des Gleis 21, der Kieler Theaterpädagogin Nadeshda Gerdt und dem Erstwählerprogramm des Kreisjugendringes. Auch die „Mini-Demokratiescouts“, Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, machten mit und wählten ihren „Konfetti-Rat“.

„Die Demokratiescouts schrieben ein Theaterstück, dass sie am Wahltag trotz strömenden Regens aufführten, um Bürger zur Wahl zu animieren“, erzählt Peter Linnenkohl. „Sie ließen sich nicht vom Wetter abhalten und wollten diesen Tag so durchziehen, wie er geplant war“. Allein diese Tatsache zeige die Ernsthaftigkeit und das Engagement der Jugendlichen, so Linnenkohl. Und eines sei besonders bemerkenswert: „Die Teilnehmer kamen aus allen sozialen Schichten, sie unterstützten und halfen sich untereinander. Ich freue mich, dass das Projekt weiter geht“. Doch nicht nur das: Es gibt auch ein Nachfolgeprojekt namens „My Voice – Demokratie beginnt nicht erst ab 18!“ „Die Jugendlichen sind mit Emotionen dabei und zeigen großen Einsatz, das ist schön zu sehen“, lobt Bürgermeister Voß.

Für das Jahr 2014 sind bereits viele weitere Aktionen geplant. So wird es wieder einen Filmclub-Abend am 7. April 2014 geben. Gezeigt wird ein Dokumentarfilm, der sich mit dem Geschehen eines Massakers in der Ukraine im Jahr 1944 und der Frage „Wie wird man Täter oder Mittäter?“ beschäftigt. Weitere Film- und Vortragsprojekte sind geplant, auch um die bevorstehende Europawahl zu thematisieren und den zunehmenden Rechtspopulismus sowie wiederkehrender Nationalismen. Die Wanderausstellung „Anne Frank – Geschichte für heute“, die für Jugendliche und Schulklassen konzipiert ist, wird vom 15. März bis 11 April 2014 im Regionalen Berufsbildungszentrum Mölln zu sehen sein. Die 4. Regionalkonferenz Rechtsextremismus findet in Grevesmühlen statt. Das Ratzeburger Bündnis beteiligt sich zudem aktiv an der Initiative „Runder Tisch Willkommenskultur und Flüchtlingsbegleitung Ratzeburg und Umgebung“. Bürgermeister Voß: „Wir werden weiterhin wachsam bleiben“. So befinde sich der Aufbau des Demokratiezentrums in Herzogtum Lauenburg, das vom Innenministerium Schleswig-Holsteins unterstützt wird, in der finalen Phase. „Es werden Gespräche mit Netzwerkpartnern stattfinden und die Zielsetzungen abgestimmt. Wir stellen uns ein Zentrum mit vielen dezentralen Zweigen vor“.

Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2014 13:20

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