„PACT“ schmieden für attraktivere Innenstädte

Manfred Ohldag (rechts) mit Stefan Stengel (Mitte). Manfred Ohldag (rechts) mit Stefan Stengel (Mitte). Foto: www.blende4.de

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(LOZ). Der Ausschuss für Handel und Stadtentwicklung der IHK zu Lübeck unter Vorsitz von Manfred Ohldag ist ein bedeutender Rat- und Impulsgeber bei der Einschätzung von handelsrelevanten Fragen und Problemen. Darunter fällt PACT – eine Partnerschaft zur Attraktivierung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen. Das PACT-Gesetz will die Eigeninitiative der lokalen Wirtschaft und der Grundeigentümer stärken, um Kaufkraftverlusten zu begegnen.

Wie das funktioniert, erläuterte PACT-Expertin Dr. Liane Faltermeier von der IHK zu Kiel vor dem Ausschuss in ihrem Vortrag „PACT – Zukunftsvision oder praxisorientierte Perspektive“. Weiteres Thema der Sitzung war „Digitalisierung als Perspektive für Städte und Handel“.

Brisanz erhalte der Strukturwandel im Einzelhandel durch die Digitalisierung, sagte Faltermeier. Eine Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Handel, Verbraucher, Städte und Regionen zeigt eine düstere Prognose: Demnach wird bundesweit jedes zehnte Ladengeschäft bis zum Jahr 2020 schließen. Als Folge veröden Innenstädte. Damit der Satz: „Ich geh mal in die Stadt“ wieder einen höheren Stellenwert erhält, müssen Innenstädte attraktiver werden. Sie müssen heutzutage vor allem mit Gestaltung, Ambiente, Erlebnischarakter und Angebotsvielfalt punkten, sagte Faltermeier. Private PACT-Partnerschaften von Gewerbetreibenden und Eigentümern können individuelle Lösungen verwirklichen.

Das geht so: In den PACT-Gemeinschaften schließen sich Anlieger zusammen, die ein festgelegtes Quartier aufwerten wollen. Sie zahlen alle in einen Topf, um ein bestimmtes Projekt zu realisieren. Ergibt sich eine Mehrheit, wird ein Vertrag mit der Stadtverwaltung geschlossen. Die Vereinigung gibt sich eine Satzung, es entsteht eine Lenkungsgruppe und Projekte werden angeschoben. Diese werden gemeinsam durch die Mitglieder finanziert. Eine Mehrheit sei nötig, um „Trittbrettfahrer“ auszuschließen, so Faltermeier.

Erfolgreiche PACT-Projekte beweisen die Wertsteigerung der Grundstücke, sagte Faltermeier. So wurde etwa in Flensburg die gesamte Innenstadt umgestaltet. In Norderstedt haben Einzelhändler im Quartier Schmuggelstieg ein Partnerschaftsabkommen geschlossen. Herausragendes Beispiel sei auch Elmshorn, wo eines der ersten PACT-Projekte in Schleswig-Holstein verwirklicht wurde und sogar Preise erhalten hat. „Eine positive Sache“, sagte Bernd Horst von der IHK zu Lübeck vor allem im Hinblick auf die genannten Beispiele. Auch der Ausschussvorsitzende Manfred Ohldag betonte: „Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Städten sollte verstärkt die Möglichkeit eines PACT initiiert und genutzt werden.“ Mehr Informationen zu PACT-Projekten gibt es im Internet auf der Seite www.ihk-schleswig-holstein.de

Auch Elektronischer Handel bringt den stationären Einzelhandel in Bedrängnis. Doch Digitalisierung biete auch enorme Möglichkeiten zur Kundenbindung, sagte Stefan Stengel, Vorsitzender des Arbeitskreises für Informationstechnologie, Kommunikation und Neue Medien (AK ITK & Neue Medien) der IHK zu Lübeck und selbstständiger Coach (Glocal Consult Lübeck), der in den Ausschuss geladen war. Geschäfte sollen personalisierte Einkaufserlebnisse schaffen und „Touchpoints“ (Kundenkontakte) aufbauen. Denn der Kunde mache heute die Meinung, weniger die Werbung eines Unternehmens. Wer heute den Kunden nicht direkt anspricht, wird ihn verlieren.

Als Beispiele nannte Stengel unter anderem QR-Codes (per Fotohandy lassen sich Informationen aufrufen, abspeichern und weiterverarbeiten), Pop-up-Stores, temporäre Läden, die – „pop“ – auftauchen und meist nach wenigen Tagen wieder schließen, und Beacon-Technik. Mit diesen Bluetooth-Funksendern hat Ikea etwa Coupons für Gratis-Kaffee an seine Kunden geschickt, sobald sie das Geschäft betraten. Kleine Einzelhandelsgeschäfte in der Stadt haben es immer schwerer, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning: „In den Städten spielen sich Leben und Handel ab. Wir müssen uns fragen, wie wir das attraktiv halten können.“

Man wolle kleine und mittlere Betriebe dabei unterstützen, sagte Ausschussvorsitzender Ohldag, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Der Einzelhandel ist gefordert, digitale Möglichkeiten optimal zu nutzen und noch mehr in das Einkaufserlebnis zu investieren.“

Das Fachgremium für Handel und Stadtentwicklung der IHK zu Lübeck sorgt dafür, dass die unternehmerische, fachspezifische Kompetenz der Unternehmer in die Arbeit der IHK einfließt. Der Ausschuss mit seinen gewählten Mitgliedern tagt dreimal jährlich, unter anderem auch auf schleswig-holsteinischer Ebene und gemeinsam mit dem Handelsausschuss der Handelskammer Hamburg.

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