Samstag, 01 September 2012 09:18

Fahrbericht Audi A4 allroad quattro 3.0 TDI clean diesel: Dynamik pur

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Den Charakter des A4 allroad quattro bestimmt in erster Linie das Fahrwerk. Foto: B. Riedel/Auto-Reporter.NET


(Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel). Ausgerechnet dem erfolgreichsten Audi-Modell, dem A4, jene Trümpfe der Marke vorzuhalten, die ihr Image wesentlich mitprägten, wäre nicht einfach nur unbedacht. Keinen A4 Avant mit Allradantrieb in geländetauglicher Fasson samt einer Extraportion Dieselpower anzubieten, liefe auf eine Marketingsünde hinaus. Schließlich ist der A4 der meistverkaufte Audi. Und in besonderem Lichte darf sich auch der 3.0 TDI als außerordentlich potenter Sechszylinder mit 180 kW (245 PS) und 500 Newtonmeter Drehmoment sonnen. Der V6 ist es, der den stärksten A4 allroad quattro formt, an dem die Vierzylinder-Fraktion mit einem weiteren Diesel und zwei Benzinern nicht herankommt.

Auf drängt sich die Frage, ob ein geländegängiger Kombi gegen die mittlerweile herangewachsene SUV-Übermacht noch eine Chance hat. Ansichtssache! Bevor Erklärungsversuche ins Philosophische abdriften, belässt man es besser bei einer schlichten Behauptung: Noch immer haben Autos traditioneller Gestalt, egal, ob Limousine oder Kombi, ihre Anhänger. Und dem trägt Audi einfach Rechnung.

Als Premiummarke entwickelt Audi ohnehin seit Jahren außerordentlichen Ehrgeiz, mit einem Variantenreichtum in den Modellreihen, der kaum noch zu übersehen ist, jeden Käuferwunsch zu erfüllen. Hinter dem Mittelklassekürzel A4 kann es heißen: Limousine, Avant oder allroad quattro. Und dann gibt es ja auch noch den S4 mit Sportfahrwerk und 3.0-V6-Kompressor-TFSI, dessen temperamentvolle 333 PS bei 250 km/h ebenfalls, wie bei Audi üblich, vorsorglich an die kurze elektronische Leine genommen werden.

AdBlue für Euro 6
Beim Testwagen A4 allroad quattro 3.0 TDI clean diesel machte hinter der Tankklappe neben dem Dieselstutzen eine zweite Einfüllöffnung mit dem Schriftzug „AdBlue“ auf ein Extra aufmerksam. Dank der in separatem Tank mitgeführten Harnstofflösung, die dosiert in den Abgasstrom eingespritzt wird, kann ein Stickstoffkatalysator (SCR) die Stickoxide im Abgas per katalytischer Reduktion zum größten Teil eliminieren. Damit erfüllt dieser Diesel bereits den Euro-6-Anspruch.

Zuerst dürfte sich das Käuferinteresse am Kraftstoffverbrauch und an den Fahrleistungen des potenten Diesel-Sechszylinders orientieren. Die motorische Erhabenheit des leistungsstärksten A4 allroad quattro drückt sich in der Beschleunigung von null auf 100 km/h in 6,2 Sekunden und in erreichbaren 237 km/h aus. Für auffällige Genügsamkeit der Euro-6-Version spricht der Durchschnittsverbrauch von 6,0 l/100 km. Im innerstädtischen Einsatz des Testwagens pendelte der Kraftstoffverbrauch zwischen sieben und 8,2 l/100 km.

Meist wurde dabei im „comfort“-Modus von Audi drive select gefahren. Bei zurückhaltender Fahrweise im verbrauchsgünstigen Modus „efficiency“ und mit Start-Stop-Funktion wies der Bordcomputer öfter auch Werte unter 7 l/100 km aus. Überraschen muss nicht, dass betont dynamischer Fahrstil unter Ausnutzung der kraftvollen Spontanität des Sechszylinders samt höherem Autobahndauertempo den Dieselverbrauch in den zweistelligen Bereich treibt.

Der 7-Gang-Automatik kann man getrost den Gangwechsel überlassen. Er geht dank Doppelkupplung aber ebenso blitzschnell und harmonisch vonstatten, wenn der Fahrer selbst Hand zum Gangwechsel über die Paddels am Lenkrad anlegt.

Audi-Domäne: Modularer Längsbaukasten
Den Charakter eines A4 allroad quattro bestimmt in erster Linie das Fahrwerk. Motor und Getriebe wurden längs eingebaut. Für dieses Konzept, den sogenannten Modularen Längsbaukasten, ist im VW-Konzern Audi verantwortlich, VW für den Modularen Querbaukasten. Während vom Querbaukasten Klein- bis Mittelklassewagen profitieren sollen, bleibt der Längsbaukasten den Mittel- und Oberklassemodellen im Konzern vorbehalten. Die Längsanordnung bringt Vorteile für die Gewichtsverteilung, die Fahrdynamik, den Fahrkomfort.

Das robuste Fahrwerk eines A4 allroad quattro steckt alles weg, was unter die Räder kommt, ohne dass der Komfort auf der Strecke bleibt. Abseits befestigter Fahrbahnen kommt der Traktion neben dem permanenten Allradantrieb zugute, dass der Karosserie mit 180 Millimetern mehr Bodenfreiheit eingeräumt wurde; 37 Millimeter mehr als beim „normalen“ Avant. Optisch unterstreichen die Geländetauglichkeit eines „allroad“ der Edelstahl-Unterfahrschutz an Bug und Heck und schwarze Kunststoffblenden an den Radausschnitten. Der Auftritt bekommt dadurch eine besondere Note, auf die Autobesitzer meistens ja durchaus Wert legen.

Ganz dem „zivilen“ A4 Avant entsprechen Innenraumraummaße und Gepäckraumvolumen, das sich von 490 auf 1.430 Liter bei umgeklappten Rücksitzlehnen erweitern lässt. Dass der Umbau wahrscheinlich öfter geschieht, ziehen Kombikäufer wohl von vornherein in Betracht. Deshalb akzeptieren sie ein nicht gerade üppig ausfallendes Gepäckabteil (490 Liter). Von der zum Heck hin nur leicht abfallenden Avant-Karosserie profitiert die Kopffreiheit der Fondpassagiere. Der Grad ihrer Beinfreiheit hängt, wie bei vielen Pkws, davon ab, wie Fahrer und Beifahrer ihre Sitze positionieren. Weil es vorn im Cockpit von vornherein großzügig zugeht, müssen Fahrer und Beifahrer ihre Sitze nicht unbedingt ganz nach hinten schieben.

Reichhaltige Ausstattung
Wie bei Testfahrzeugen markenübergreifend üblich, war auch Audis A4 allroad quattro vorzüglich ausgestattet. Das hat seinen Preis. Zu Buche schlugen mit rund 25.000 Euro Aufpreis u.a. die Navigation plus, das Feinnappa-Leder, die Einparkhilfe mit Rückfahrkamera, Adaptive cruise control (ACC,), Bluetooth-Autotelefon online, Audi side assist (Totwinkelüberwachung), Dreizonen-Klimaautomatik, Xenon-plus-Scheinwerfer (mit Reinigungsanlage), das Sound System Bang & Olufsen. Aufpreis kosten auch die beheizbaren, elektrisch abklappbaren und automatisch abblendenden Außenspiegel. Die Sportsitze und die 18-Zoll-Alu-Gussräder im 5-Arm-Rotor-Design treiben den Preis um gut 1.100 Euro nach oben.

Natürlich möchte man auf nichts von dem verzichten, was man einmal kennen- und schätzen gelernt hat. Dazu gehören wohl zuerst der Tempomat mit Abstandsregelung zum Vordermann, die Totwinkelüberwachung und die Einparkhilfe per Kamera, die dank orientierender Leitlinien auf dem Monitor auch schwierige Manöver beim Rückwärtsfahren sicher und zentimetergenau gelingen lässt.

Von der Komfort- zur Serienausstattung
An aktuellen Audi-Modellen ist übrigens abzulesen, wie sich Komfortzugaben, die zunächst allein der automobilen Oberliga vorbehalten waren, zunehmend bis zu kompakten Kleinwagen „vorarbeiten“. Audi lässt seinem Anspruch „Vorsprung durch Technik“ in allen Klassen und Segmenten Taten folgen. Davon ausgehen darf man sicher, dass die Highlights der Komfortausstattungen von heute eines gar nicht so fernen Tages Serienstandard sind.

A4-Anwärter, die sich für einen allroad quattro entscheiden, können davon ausgehen, dass auch dieser Audi wie der Testwagen seine Insassen in eine Wohlfühl-Atmosphäre eintauchen lässt, die auf tadelloser Verarbeitung und edlen Materialien beruht. Die schmückenden Dekoreinlagen sind nicht etwa Eiche-Imitationen, sondern echtes Holz, das hauchdünn geschnitten wurde. Inzwischen ist die Verarbeitung außergewöhnlicher Materialien eine Audi-Spezialität, an der Wettbewerber nicht so gleich vorbeikommen dürften.

Daten Audi allroad quattro 3.0 TDI:

Länge x Breite x Höhe (Meter): 4,72 x 1,84 x 1,49
Motor: Sechszylinder-Dieseldirekteinspritzer, Turbolader, 3.0 Liter
Max. Leistung: 180 kW/245 PS   
Max. Drehmoment: 500 Nm
Kraftstoffverbrauch (kombiniert): 6.0 l/100 km
CO2-Emission: 179 g/km
Beschleunigung auf 100 km/h: 6,9 s
Leergewicht/zul. Gesamtgewicht (kg): 1.565/2.165
Gepäckraumvolumen: 490 Liter bis 1.430 Liter (dachhohe Beladung)
Basispreis: 41.764 Euro
Preis des Testwagens: 67.800 Euro

Letzte Änderung am Samstag, 08 September 2012 14:37