Freitag, 19 Oktober 2012 15:48

Vorsicht Wildwechsel

Die Winterzeit erhöht das Unfallrisiko mit Wildschwein, Reh und Hase

djd Deutscher Jagdschutz Verband e V DJV Harbig kw 42-12

Wildschweine sind sehr mobil und meist in großen Familienverbänden unterwegs, die pro Tag bis zu 20 Kilometer zurücklegen. Foto: djd/Deutscher Jagdschutz Verband e.V. (DJV)/Harbig


(djd/pt). Wenn die Uhren nachts um eine Stunde zurückgestellt werden, freut sich der Mensch über die zusätzliche Mütze Schlaf. Wildschwein, Reh und Hase kennen dagegen keine Winterzeit. Ihre alltägliche Futtersuche im Morgengrauen fällt durch die Zeitumstellung von einem Tag auf den anderen mitten in den Berufsverkehr - und wird für Wochen zum gefährlichen Unterfangen. Denn Tiere machen keinen Halt vor Straßen. In den Herbstmonaten sorgen zudem abgeerntete Felder und die Paarungszeit bei einigen Wildarten für mehr Aktivität und somit für ein höheres Wildunfallrisiko.


Mobile Borstentiere
In Deutschland kracht es alle zweieinhalb Minuten zwischen Auto und Wildtier. "Spitzenreiter" sind Rehe mit mehr als 200.000 Unfällen jährlich. 28.000 Unfälle gingen 2011 auf das Konto der Wildschweine, wie die jährliche Wildunfallstatistik des Deutschen Jagdschutzverbands (DJV) zeigt.

Erkennen Autofahrer Wildtiere am Fahrbahnrand, sollten sie vorsichtig und vorausschauend weiterfahren, denn Reh oder Wildschwein sind meist nicht allein unterwegs. Weiterer Wildwechsel, vor allem am Übergang von Wald- und Feldzonen, ist daher nicht ausgeschlossen. "Wer umsichtig fährt und sein Tempo von 100 auf 80 reduziert, verkürzt den Bremsweg seines Fahrzeugs bereits um 35 Meter", erläutert DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald. Dies könne entscheidend sein, um eine Kollision zu vermeiden.

Verhalten im Ernstfall
Reinwald empfiehlt, im Ernstfall das Lenkrad festzuhalten, zu bremsen, abzublenden und zu hupen. Sollte es dennoch zu einer Kollision mit Wildschwein und Co. kommen, ist die Unfallstelle umgehend abzusichern. Die Autofahrer müssen die Polizei oder, falls bekannt, den zuständigen Jagdpächter benachrichtigen. Beide stellen Wildunfallbescheinigungen für die Versicherung aus. Auch wenn am Auto kein sichtbarer Schaden entstanden und das Tier geflohen ist, bittet der DJV um eine Meldung. Der Jäger kann das verletzte Wild mit speziell ausgebildeten Hunden suchen und wenn nötig von seinen Qualen erlösen.

Zahl der Wildunfälle stark gestiegen
Seit 1975 hat sich das Verkehrsaufkommen in Deutschland vervierfacht. Die Zahl der Wildunfälle ist im selben Zeitraum um das Fünffache gestiegen. Mit fatalen Folgen: In Nordrhein-Westfalen beispielsweise "erlegen" Autofahrer inzwischen jedes dritte Reh, das in der Jagdstatistik aufgelistet wird. Durchschnittlich 9.000 Fahrzeuge passieren täglich einen Zählposten an einer durchschnittlichen Bundesstraße. Auf Autobahnen sind es sogar 48.000 Pkw und Lkw. Ab etwa 15.000 Fahrzeugen täglich wird die Straße zum unüberwindbaren Hindernis für viele Wildtiere - sogar für Hirsche. Querungshilfen wie Grünbrücken schaffen Abhilfe. Allerdings gibt es davon in Deutschland nur eine pro 500 Kilometer Straßen.

Letzte Änderung am Freitag, 26 Oktober 2012 16:53