Mittwoch, 21 November 2012 16:48

Oldies but Goldies? Der Opel Corsa C im Gebrauchtwagen-Check

Bis zum Baujahr 2006 bietet der Kleinwagen ein gutes Preis-Leistungsverhältnis

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Bis zum Baujahr 2006 gibt der Opel Corsa auch im gebrauchten Zustand zuverlässig. Foto: dmd/Opel


(dmd). Opel ist nicht gleich Opel. Jahrelang stand der Name für Zuverlässigkeit. Dann sackte der Zufriedenheitsquotient etwas ab. Der Corsa glich die Schwäche-Phase wieder aus. Doch welche Generation empfiehlt sich heutzutage am besten, wenn es um den Kleinwagen aus zweiter Hand geht? Wir unterzogen den Opel Corsa C dem Gebrauchtwagen-Check.


Opel hat zwar das Kleinwagensegment nicht erfunden, aber mit dem Corsa maßgeblich beeinflusst. Der erste Kleine mit diesem Namen kam 1982 auf den Markt, 1993 folgte die zweite Generation und 2000 die dritte. Der Corsa C genannten Rüsselsheimer misst 3,83 Meter in der Länge und 1,64 Meter in der Breite und ist für die Stadt ideal: Mit seinen kurzen Überhängen und einer guten Rundumsicht wird das Einparken zum Kinderspiel. Neben dem Dreitürer gibt es auch einen Fünftürer, der deutlich praktischer ist. Und das nicht nur, wenn man den Nachwuchs zur Schule fahren muss. Denn die Vordertüren sind zwangweise kürzer und erlauben auch in engen Parklücken ein komfortableres Ein- und Aussteigen.

Mit einem Leergewicht unter 1,2 Tonnen ist der Corsa zwar kein Leichtfuß, es gibt aber auch mager ausgestattete Modelle, die weniger als 950 Kilogramm auf die Waage bringen, so dass auch ein kleiner Motor für ausreichend Vortrieb sorgen kann. Und Opel hat davon einige im Programm: Die Basis stellt zum Produktionsstart ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 44 kW/58 PS, darüber rangiert ein 1,2-Liter-Vierzylinder mit 55 kW/75 PS und ein 1,4-Liter mit 60 kW/90 PS. 2001 kommt noch ein 1,8-Liter-Benziner mit 92 kW/125 hinzu und zwei Jahre später erhalten die kleineren Motoren etwas mehr Leistung bei weniger Kraftstoffverbrauch, weshalb man die Suche bei Fahrzeugen ab Baujahr 2003 beginnen sollte.

Antrieb
Auch wenn der Basis-Dreizylinder mager erscheint, er ist keine schlechte Wahl: Der Spritverbrauch geht mit etwa 5,5 Liter im Mix in Ordnung, und die Kosten für Versicherung und Steuer halten sich im Rahmen. An den etwas kernigeren Lauf gewöhnt man sich schnell. Die Diesel mit 1,3 Liter oder 1,7 Liter Hubraum mit einer Leistung zwischen 51 kW/70 PS und 74 kW/101 PS sind nur für Vielfahrer zu empfehlen: Sie sind zwar sparsam, laufen aber rau und sind träge, was vor allem in der Stadt nervt. Vereinzelt findet man auch Gebrauchtwagen mit dem automatischen Schaltgetriebe „Easytronic“, das aber durch seine lange Schaltpausen vom Fahrer sehr viel Geduld fordert.

Ausstattung und Sicherheit
Beim EuroNCAP-Crashtest schlug sich der Corsa 2002 wacker und erzielte vier von fünf Sternen. Die Basisausstattung ist aber recht karg, so dass Interessenten besser zu einer höherwertigen Variante greifen sollten, die Cosmo, Comfort, Cool, Eco, Edition, Elegance, Enjoy, Fresh, GSi, Njoy oder Selection heißen. Dann sind oft schon Radio oder sogar due Klimaanlage dabei. Praktisch sind auf jeden Fall fünf Türen und eine asymmetrisch teilbare Rückenlehne. 2003 kommt die erste Modellpflege, zu erkennen an geänderten Stoßfängern, Scheinwerfern und am Kühlergrill.

Qualität
Mit dem Alter kommen die Probleme, beim Cora C in Form von ausgeschlagenen Antriebswellen, erhöhtem Lenkungsspiel und mangelhafter Feststellbremse. Auch fallen beim TÜV-Mängelreport immer wieder Fahrzeuge mit defekten Rückleuchten, undichtem Auspuffsystem und einer inkontinenten Kraftstoffleitung auf – und zwar deutlich häufiger als beim Durchschnitt. Bei einer Probefahrt sollte deshalb nicht nur auf einen guten Geradesauslauf und wenig Spiel im Lenkrad geachtet werden, sondern auch auf eine fleckenfreie Straße nach der Abfahrt. Ist die Lenkung komplett ohne Gefühl oder verlangt im Gegenteil große Kräfte, kann auch die Elektrik defekt sein, was teure Folgen nach sich zieht. Ein mieser Trick von Schummlern ist es übrigens, den Luftdruck der Vorderräder auf über 3,0 bar zu erhöhen, so dass eine Lenkungsleichtigkeit vorgespielt wird, die so nicht vorhanden ist. Ein zu hoher Luftdruck fällt aber meist durch einen niedrigen Federungskomfort auf.

Probleme bereiten außerdem manchmal die elektrische Zentralverriegelung und das schnelle Schlappmachen der Autobatterie. Wer einen frischen Akku unter der Haube hat, kann aber für die nächsten Jahre durchatmen. Erstaunlicherweise hat der Corsa übrigens wenig bis gar keine Probleme mit Rost.

Fazit
Mit einem Opel Corsa C kann man einen guten und günstigen Mobilitätspartner für die Stadt finden. Vor allem dann, wenn es ein Fünftürer mit einem kleinen Benziner ist, der keine Probleme an der Vorderachse und Lenkung hat. Findet man ein gepflegtes Auto mit frischer HU-Plakette für rund 2.000 Euro, sollte man zuschlagen, denn der Nachfolger (ab 2006) kann nicht viel mehr und ist nicht viel besser.

Letzte Änderung am Mittwoch, 28 November 2012 20:01