Dienstag, 10 September 2013 17:22

Radfahrerhelme: Mitschuld durch „Oben-Ohne“-Fahrt

Urteil eines OLG unterstützt Befürworter der Helmpflicht

 

dmd Paul Georg Meister pixelio de kw 37-13

Ein Gericht verurteilte eine verletzte Radlerin zur Mitschuld, da sie sich nicht mit einem Helm geschützt hatte. Foto: dmd/ Paul-Georg Meister /pixelio.de

 

(dmd). Soll man die Radfahrer gesetzlich zum Tragen von Helmen verpflichten oder nicht? Gegner und Befürworter dieser Maßnahme liegen schon seit Jahren über dieses Thema im Clinch. Ein Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes könnte nun allerdings den Wind deutlich in eine Richtung drehen.


Folgendes war passiert: Ein Frau war mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Als sie an einem parkenden BMW vorbei fuhr, öffnete die Insassin des Fahrzeugs die Tür. Die Radlerin prallte dagegen, fiel auf den Hinterkopf und zog sich schwere Schädel-Hirnverletzungen zu.

Die Sache kam vor Gericht. Die Richter entschieden, dass sich die verletzte Frau, also die Klägerin, zu 20 Prozent an dem Fall mitschuldig gemacht hatte, da sie keinen Fahrradhelm trug. Hätte sie dies getan, hätte dies die Kopfverletzung verhindert oder zumindest vermindert. Dies beschlossen die Richter laut der Online-Beratungsplattform anwalt24.de am 6. Juni 2013 vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht (OLG).

Zwar besteht in Deutschland nach dem Gesetz keine allgemeingültige Helmpflicht. Die Richter gingen aber davon aus, dass der Kauf eines Schutzhelmes, sprich die dadurch entstehende finanzielle Belastung, wirtschaftlich jedem zumutbar sei. Gleichzeitig müsse davon ausgegangen werden, dass ein „verständiger Mensch“ weiß, dass er im Straßenverkehr Gefahr läuft, verletzt zu werden – und daher beim Radfahren einen Helm trägt, um dies zu vermeiden.

Zwar ist das Urteil dieses Falles nicht verallgemeinerungsfähig. Nichtsdestotrotz unterstützt es alle Befürworter der Helmpflicht, indem es zeigt, dass ein Radfahrer unter Umständen eben auch dann für einen Unfall mithaftet, wenn er sich nicht genügend gegen die Gefahren im Straßenverkehr schützt. Laut den Statistiken des Deutschen Verkehrssicherheitsrates verlor im Jahr 2012 alle 22 Stunden ein Fahrradfahrer sein Leben. Insgesamt starben im selben Jahr pro Tag zehn Menschen im Straßenverkehr.

Letzte Änderung am Dienstag, 17 September 2013 17:33