Montag, 21 Mai 2012 10:31

Notrufsystem eCall

akz e-call kw 21-12

Foto: Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des DAV e.V./akz-o


(akz-o).  Das Notrufsystem eCall sorgt seit einiger Zeit bei Versicherern, Automobilclubs und Autoherstellern für Aufregung. Denn der im Auto integrierte Sensor, der im Fall eines Unfalls SOS funkt, wird nach dem Willen der Europäischen Kommission ab 2015 in alle Neuwagen eingebaut. “Im umkämpften Pannen- und Unfallersatzgeschäft wird das die Spielregeln zugunsten der Versicherungen verändern,“ prognostiziert Daniela Mielchen, Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) e.V. – oft jedoch zu Lasten von Unfallgeschädigten.

Eigentlich soll das Notrufsystem eCall in erster Linie Leben retten. Für die Wettbewerber bedeutet es aber auch eine einmalige Chance auf den Erstkontakt zum Geschädigten. Denn funkt ein Auto um Hilfe, können gleichzeitig eine Werkstatt, ein Automobilclub oder auch eine Versicherung über den Unfall informiert werden. „Profitieren werden besonders die Versicherungen, indem sie Anreizsysteme schaffen, eine zentrale Notrufnummer der Versicherungswirtschaft in das eCall-System einzuspeichern“, so Daniela Mielchen. Ist ein eCall bei dieser Notrufnummer eingegangen, schalten sich die beteiligten Versicherungen ein und versuchen, mit den Geschädigten in Kontakt zu treten. Den Anruf und die vermeintliche Hilfestellung der Versicherung nehmen viele Geschädigte auch leichtfertig an. Für die Versicherungen steht allerdings ihr Interesse bei der Schadensregulierung im Vordergrund, beispielsweise durch dreiste Kürzungen von Ansprüchen oder indem sie von einem Anwalt oder freien Sachverständigen abraten. Eine Leistung, die jedem Unfallgeschädigten auf Kosten der gegnerischen Versicherung zusteht. „Außerdem können die Versicherungen den Kontakt nutzen, um den Geschädigten in eine Werkstatt ihrer Wahl zu verweisen“, erklärt Daniela Mielchen. „Denn das Recht auf eine freie Werkstattwahl und damit auf eine teure Markenwerkstatt besteht nach neuster BGH-Rechtsprechung nur, solange die Versicherung keine vermeintlich gleichwertige Werkstattempfehlung ausgesprochen hat. Mit dem Kontakt zur Versicherung geht dieses Recht verloren.“

So kommen Sie zu Ihrem Recht
Um sich vor den Methoden der Versicherungen zu schützen, rät die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) e.V.: Speichern Sie nur eine Nummer Ihres Vertrauens im eCall-System, legen Sie sich auf eine Werkstatt fest, bevor Sie sich mit der Versicherung in Verbindung setzen, und nehmen Sie im Fall eines Unfalls zuerst Kontakt mit einem unabhängigen Verkehrsanwalt auf. Einen Ansprechpartner in Ihrer Nähe finden Sie unter www.verkehrsanwaelte.de.

Letzte Änderung am Dienstag, 29 Mai 2012 12:28