Donnerstag, 08 März 2012 09:41

Tipps zur Fahrzeugpflege nach dem Winter

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Die Frühjahrskur fürs Auto steht unmittelbar bevor. Foto: GTÜ/Auto-Reporter.NET


(Auto-Reporter.NET/wr). Mitte März endet fast überall in Deutschland die Saison von Salz und Splitt. Sind die Straßen wieder einigermaßen vom Winterdreck befreit, wird es Zeit, seinem Auto eine Frühjahrskur zu spendieren. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung gibt zehn Tipps, wie die Spuren des Winters wirkungsvoll beseitigt werden.

Winterdreck ordentlich wegwaschen
Gegen den Schmutz und das Salz des Winters empfiehlt sich ein Durchgang in der Waschanlage mit Vor- und Unterbodenwäsche. Vorher sollte man sich um die Problemzonen kümmern. Türeinstiege sind mit mildem Reinigungsmittel, viel Wasser und einem weichem Schwamm von Hand zu säubern, der Motor ist mit starkem Strahl abzuspritzen. Aber Vorsicht bei Benutzung eines Dampfstrahlers!. Es ist unbedingt ein Spritzabstand von mindestens 30 Zentimeter einzuhalten, damit Elektrik und Elektronik keinen Schaden nehmen.

Tipp: Die Motorwäsche besser dem Profi mit Kaltreiniger und Waschlanze überlassen.

Kampfspuren des Winters beseitigen
Nach der Außenreinigung empfiehlt sich eine Kontrolle von Lack und Kunststoffen. Flugrost lässt sich mit säurefreiem Flugrostentferner entfernen. Lackpolituren lassen feine Kratzer verschwinden. Das gelingt besonders effizient mit maschineller Unterstützung. In schlimmeren Fällen helfen Kratzer-Polituren. Ungeübte Laien sollten sich allerdings die Handhabung von Poliermaschinen genauestens zeigen lassen, sonst droht mehr Schaden als Nutzen.

Tipp: Wenn Kratzer bis auf die Grundierung des Lacks gehen, empfiehlt sich eine schnellstmögliche, professionelle Lackreparatur, um größere Folgeschäden zu vermeiden.

Das Auto pflegen, nicht quälen
Handwäsche ist die schonende Alternative zur Waschanlage; aber nur, wenn sie mit reichlich Wasser, sauberen Schwämmen oder Bürsten und mit sanftem Reinigungsmittel erledigt wird. Wer halbherzig vorgeht, zerkratzt nur den Autolack. Zu arbeiten ist mit geringem Druck von oben nach unten. Schwamm und Bürste sind in kurzen Abständen auszuspülen, das Fahrzeug ist zum Schluss mit einem Fensterleder abzutrocknen.
Keineswegs darf das Auto mit kratzenden Haushaltsschwämmen oder aggressiven Haushaltsreinigern malträtiert werden. Sogenannte „Hausmittel“ sind meist ungeeignet, da in der Regel die Materialverträglichkeit gegenüber Autos nicht geprüft wurde.

Tipp: Der Umwelt zuliebe das Auto von Hand nur auf dafür vorgesehenen Plätzen waschen.

Felgen pfleglich behandeln
Bei der Frühjahrswäsche verdienen vor allem Alufelgen besonderes Augenmerk. Zunächst ist mit säurefreiem Felgenreiniger vorzusprühen, damit sich der hartnäckige Bremsstaub auch wirklich lösen kann. Gegebenfalls ist noch nachzuarbeiten. Eine spezielle, hitzebeständige (!) Felgenversiegelung am Schluss erleichert die nächste Reinigung. Normale Wachse für den Autolack sind zum Felgenschutz ungeeignet.

Tipp: Wenn der Wechsel von Winter- auf Sommerräder ansteht, sind bei dieser Gelegenheit alle Felgen komplett zu reinigen; auch das sonst sehr schwer zugängliche Felgenbett an der Radinnenseite.

Für Durchblick sorgen
Auf Autoscheiben bildet sich im Laufe der Zeit an der Innenseite ein feiner Schmutzschleier, der bei ungünstigen Gegenlichtverhältnissen, etwa bei heller Sonne oder nachts im Scheinwerferkegel entgegenkommender Fahrzeuge, zu extremer Sichtbeeinträchtigung führen kann. Mit Glasreiniger ist innen wie außen wieder für klare Verhältnisse zu sorgen.

Tipp: Feine Kratzer im Glas lassen sich mit Scheibenpolitur entfernen. Gröbere Kratzer auf der Windschutzscheibe im Sichtfeld des Fahrers sind ebenso unzulässig wie Risse oder Steinschläge. Sie beeinträchtigen die Festigkeit der Scheibe. Solche Schäden dürfen nicht repariert werden, weil unzulässige Verzerrungen im Glas entstehen. Ein Austausch der Scheibe ist unumgänglich.

Gummis geschmeidig halten
Nach dem Winter verlangen auch Kunststoff und Gummiteile gewissenhafte Pflege. Kunststoff im Außenbereich ist mit Tiefenpfleger oder Kunststoffgel zu behandeln, Gummidichtungen von Türen und Fenstern sind mit Gummipflege zu bearbeiten, damit sie geschmeidig bleiben und nicht bröselig oder brüchig werden.

Tipp: Prüfen Sie die Scheibenwischer stets so gewissenhaft, als ob Sie zur Hauptuntersuchung vorfahren wollten. Wischer dürfen nicht schmieren. Bilden sich nach der Reinigung der Gummis immer noch Schlieren oder Streifen, müssen die Wischerblätter ausgetauscht werden.

Innenraum ordentlich säubern
Die Reinigung von Polstern und Teppichen ist nicht nur eine Frage des persönlichen Sauberkeitsbedürfnisses. Feuchte und schmutzige Polster sind Nährböden für gesundheitsschädliche Pilze und Bakterien. Zur Grobschmutzentfernung gehören gründliches Saugen und die Reinigung der Fußmatten. Mikrofasertücher eignen sich für nahezu alle Oberflächen wie Armaturentafel oder Verkleidungen. Häufig reicht schon klares Wasser als Lösungsmittel aus. In hartnäckigeren Fällen kommen Kunststoffpflegemittel zum Zuge (sofern die Armaturentafel nicht mit teurem Echtleder überzogen ist!). Vorsicht bei der Reinigung des Dachhimmels! Zu starkes Reiben kann die Struktur zerstören oder zu hellen Stellen führen. Für die Sitze sollten geeignete Polster- oder Lederreiniger verwendet werden.

Tipp: Ungeeignete Kunststoffreiniger verwandeln die Armaturentafel unter Umständen in eine speckig glänzende Fläche, die sich irreversibel in der Windschutzscheibe spiegelt. Diesem Sicherheitsrisiko lässt sich durch die Verwendung hochwertiger, matter Pflegemittel begegnen.

Kofferraum entrümpeln
Die Innenreinigung muss auch den Kofferraum einschließen. Die Reserveradmulde ist auszuwischen und zu trocknen, damit sich dort keine Feuchtigkeit sammelt. Bei dieser Gelegenheit sollte auch gleich der Luftdruck des Reserverades (soweit vorhanden) geprüft werden. Es geht nicht nur darum, Kofferraumauskleidungen und Gummiabdeckungen zu säubern, sondern auch darum, Ballast abzuwerfen. Schneeketten, Skiständer und Winterscheibenreiniger gehören nun in den Keller. Die Gewichtseinsparung summiert sich möglicherweise im zweistelligen Kilobereich und wirkt sich entsprechend auf den Kraftstoffverbrauch aus.

Tipp: Auch gleich Warndreieck und Erste-Hilfe-Kasten checken! Das ist Zubehör, das nicht nur bei der Hauptuntersuchung funktionsfähig vorzeigbar sein muss. Ein Blick ist auf das Verfalldatum der Produkte zur Wundversorgung im Erste-Hilfe-Set zu werfen.

Wischwasser erneuern
Nach der Frostperiode sollte komplett auf Sommerscheibenreiniger umgestiegen werden. Mischungen sind aus zweierlei Gründen nicht zu empfehlen: Erstens besteht die Gefahr, dass bei Vermengung von Sommer- und alkoholhaltigem Winterreiniger Feststoffe ausfallen, die die Düsen der Scheibenwaschanlage verstopfen. Zweitens ist im Sommer uneingeschränkte Reinigungsleistung gegen hartnäckigen Insektenschmutz gefordert.

Tipp: Nach Möglichkeit nur hochwertige Sommerscheibenreiniger einsetzen. Im großen GTÜ-Scheibenreinigertest vom Frühjahr vergangenen Jahres patzten einige der Kandidaten und verursachten Risse in Polycarbonat. Das ist ein Kunststoff, der für manche Scheinwerfer und Blinker verwendet wird. Top-Leistung erzielten hier die beiden von der GTÜ mit „sehr empfehlenswert“ ausgezeichneten Produkte Sonax Xtreme 1:100 NanoPro und cw 1:100 von Dr. Wack.

Reifen nicht zu früh wechseln
Beim Wechsel von Winter- auf Sommerräder achten auf die Profiltiefe achten! Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 mm, die an den Verschleißanzeigern abgelesen werden können. Die GTÜ-Experten empfehlen jedoch aus Gründen der Verkehrssicherheit für Sommerreifen eine Restprofiltiefe von mindestens 3 mm. Sommerreifen nicht zu früh montieren! Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai muss mit Nachtfrost gerechnet werden.

Tipp: Beim Kauf neuer Sommerreifen sorgfältig deren Qualität achten. Keine „Billigheimer“ montieren! Dieser Rat basiert auf dem aktuellen GTÜ-Sommerreifentest 2012. Von 15 Reifen in der weit verbreiteten Dimension 205/55 R 16 (Näheres unter http://www.gtue.de/produkttests) sind Markenreifen die klaren Sieger, obwohl es bemerkenswerte Unterschiede bei Handling, Bremsweg, Aquaplaning, Seitenführung, Rollwiderstand, Komfort, Geräusch und Verschleiß gibt. „Sehr empfehlenswert“ nach diesem Test: der Premium Contact 5 von Continental und der Dunlop SP Sport Fast Response.

Letzte Änderung am Donnerstag, 15 März 2012 11:50